Einsatzgebiet
Oberhausen ist die am dichtesten befahrene Stadt im Einsatzgebiet. 213.178 Menschen leben auf nur 77 Quadratkilometern, und durch dieses vergleichsweise kleine Stadtgebiet laufen vier Autobahnen. Zwei Autobahnkreuze liegen innerhalb der Stadtgrenze. Vom Büro an der Gladbecker Straße sind es knapp zehn Kilometer Luftlinie, SI Gutachten kommt in alle drei Stadtbezirke.
Die Stadt
Kaum eine Stadt dieser Größe hat so viel Autobahn auf so wenig Fläche. A3, A42, A516 und A2 berühren oder durchqueren Oberhausen.
Im Kreuz Oberhausen treffen gleich drei davon zusammen, nämlich A2, A3 und A516. Etwas weiter westlich verbindet das Kreuz Oberhausen-West die A3 mit der A42. Zwei Kreuze in einem Stadtgebiet sind selbst im Ruhrgebiet ungewöhnlich.
Dazu kommen Anschlussstellen in kurzen Abständen, unter anderem Oberhausen-Königshardt, Sterkrade, Holten, Buschhausen, Lirich, Neue Mitte und Oberhausen-Zentrum. Wer hier fährt, wechselt ständig zwischen Auffahrt, Verflechtung und Ausfahrt.
Die Stadt selbst gliedert sich in drei Bezirke, nämlich Alt-Oberhausen, Osterfeld und Sterkrade. Begutachtet wird in allen dreien.
Aus dieser Dichte folgt ein Schadensbild, das sich vom flächigen Bottrop deutlich unterscheidet. Dort entstehen Schäden auf leeren Landstraßen, hier entstehen sie, weil zu viele Fahrzeuge auf zu wenig Raum ständig die Spur wechseln müssen. Rund 2.770 Einwohner je Quadratkilometer und vier Autobahnen auf 77 Quadratkilometern ergeben Verkehrsverhältnisse, in denen kleine Fehler sofort Folgen haben.
213.178
Einwohner
4 Autobahnen
auf 77 km²
2
Autobahnkreuze
Typische Fälle
Auffahrunfälle im Bereich der beiden Autobahnkreuze, wo Verkehr aus vier Richtungen zusammenläuft.
Spurwechselschäden auf den kurzen Verflechtungsstrecken zwischen zwei dicht aufeinanderfolgenden Anschlussstellen.
Heckanstöße im zähfließenden Verkehr, die typische Konstellation bei Verdacht auf eine Halswirbelsäulenverletzung.
Park- und Rangierschäden in den Parkhäusern und auf den großen Stellflächen rund um die Neue Mitte.
Vandalismusschäden in Wohnstraßen, also zerkratzter Lack, abgetretene Spiegel und zerstochene Reifen.
Auffahr- und Abbiegeschäden auf den Hauptstraßen zwischen Alt-Oberhausen, Osterfeld und Sterkrade.
Leichter Anstoß
Der häufigste Fall in Oberhausen ist der Heckanstoß bei geringer Geschwindigkeit. Jemand fährt im Stau auf, das Blech verformt sich kaum, und trotzdem klagt der Betroffene am nächsten Tag über Nacken- und Kopfschmerzen.
Was danach passiert, ist fast immer dasselbe. Die gegnerische Versicherung bestreitet den Zusammenhang und verweist darauf, der Anstoß sei zu leicht gewesen, um eine Verletzung auszulösen. Dieses Argument stützt sich auf die kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung, also darauf, um wie viele Stundenkilometer sich die Geschwindigkeit des getroffenen Fahrzeugs schlagartig verändert hat.
Dazu gehört eine Klarstellung. Eine feste Grenze, unterhalb derer eine Verletzung ausgeschlossen wäre, gibt es im deutschen Recht nicht. Der Bundesgerichtshof hat solche starren Schwellen abgelehnt, entscheidend ist der Einzelfall.
Wo der Kfz-Sachverständige hilft und wo nicht, lässt sich klar trennen. Die medizinische Beurteilung gehört zu Ärzten. Das Kfz-Gutachten liefert die technische Grundlage, auf die sich später alle berufen: Schadensbild, Anstoßrichtung, betroffene Bauteile und die Frage, welche Kräfte überhaupt gewirkt haben.
Deshalb ist gerade bei einem leichten Heckanstoß eine vollständige Aufnahme wichtig. Wer ein solches Ereignis mit zwei Handyfotos abtut, nimmt sich später die Möglichkeit, überhaupt etwas zu belegen.
Parkhaus
Rund um die Neue Mitte wird überwiegend in Parkhäusern geparkt, und ein Parkhaus erzeugt andere Schäden als ein offener Parkplatz. Enge Stellplätze, Säulen an ungünstigen Stellen und Rampen mit schlechter Sicht sind die Hauptursachen.
Bei der Haftung gilt eine einfache Trennung. Fahren Sie selbst gegen eine Säule, ist das ein Fall für die Vollkasko. Beschädigt ein anderer Nutzer Ihr Fahrzeug und verschwindet, bleibt ebenfalls nur die Vollkasko, weil der Betreiber für das Verhalten seiner Kunden nicht einsteht.
Anders liegt es bei einem baulichen Mangel. Löst sich ein Bauteil, fällt Beton herab oder ist eine Schranke defekt und trifft Ihr Fahrzeug, kommt eine Haftung des Betreibers in Betracht. Dann zählt, dass der Zustand vor Ort fotografiert wird, nicht erst Tage später.
Ohne Unfall
Ein zweiter Fall, der hier häufiger vorkommt als in den umliegenden Städten, hat keinen Unfall als Ursache. Jemand zieht nachts einen Schlüssel über die Fahrzeugseite, tritt einen Spiegel ab oder sticht in einen Reifen.
Versicherungstechnisch ist das ein eigener Fall. Vandalismus fällt nicht unter die Teilkasko, sondern ausschließlich unter die Vollkasko. Wer nur teilkaskoversichert ist, steht ohne bekannten Täter mit dem Schaden allein da.
Anzeigen sollten Sie die Tat trotzdem immer. Eine polizeiliche Anzeige ist Voraussetzung für die Regulierung über die Vollkasko und die einzige Chance, den Verursacher doch noch zu ermitteln.
Für die Bezifferung ist entscheidend, wie tief der Lackschaden geht. Ein Kratzer im Klarlack lässt sich polieren, ein Kratzer bis aufs Blech verlangt Lackierung mehrerer Bauteile, damit der Farbverlauf stimmt. Zwischen beidem liegen leicht tausend Euro Unterschied, und das sieht man nicht mit bloßem Auge, sondern misst es.
Zuerst
Fotografieren Sie nach einem Heckanstoß auch dann, wenn scheinbar nichts kaputt ist. Gerade bei geringen Schäden entscheidet die Dokumentation über alles Weitere.
Lassen Sie sich ärztlich untersuchen, wenn Sie Beschwerden haben, und zwar zeitnah. Je größer der Abstand zwischen Unfall und Arztbesuch, desto leichter fällt das Bestreiten.
Notieren Sie bei einem Vandalismusschaden Uhrzeit, Standort und ob in der Nähe weitere Fahrzeuge betroffen sind. Serientaten werden anders behandelt als Einzelfälle.
Erstatten Sie bei Vandalismus Anzeige, bevor Sie Ihre Versicherung anrufen. Ohne Anzeige fehlt die Grundlage.
Rufen Sie an, bevor repariert oder poliert wird. Ein wegpolierter Kratzer lässt sich nicht mehr bewerten.
Aus der Praxis
Ein Beispiel aus dem Bereich der Neue Mitte: Ein Fahrzeug wird im dichten Verkehr von hinten getroffen, Geschwindigkeit deutlich unter zwanzig Stundenkilometern. Am Stoßfänger ist nichts zu sehen, der Fahrer tauscht Daten aus und fährt weiter.
Zwei Tage später meldet er Beschwerden. Die Versicherung lehnt ab, der Anstoß sei zu leicht gewesen. Nun fehlt genau das, was den Fall tragen würde, nämlich eine Aufnahme des Fahrzeugs unmittelbar nach dem Ereignis.
Unter der Stoßfängerverkleidung sitzt ein Querträger mit Deformationselementen. Ob diese angesprochen haben, ist von außen unsichtbar, aber messbar. Wird die Verkleidung abgenommen und der Träger vermessen, ergibt sich ein belastbarer Anhaltspunkt für die eingeleiteten Kräfte. Genau dieser Schritt unterbleibt, wenn niemand das Fahrzeug angesehen hat.
Auf dem Arbeitsweg
Vier Autobahnen bedeuten viele Pendler, und damit taucht in Oberhausen eine Frage häufiger auf als anderswo. Was gilt, wenn der Unfall auf dem Weg zur Arbeit passiert ist?
Ein solcher Wegeunfall ist über die gesetzliche Unfallversicherung abgedeckt, also über die Berufsgenossenschaft. Das betrifft allerdings nur Personenschäden, nämlich Behandlung, Verdienstausfall und Folgen einer Verletzung. Der Schaden am Fahrzeug gehört nicht dazu.
Für das Blech bleibt alles beim Alten. Bei fremdem Verschulden reguliert die gegnerische Haftpflicht, sonst die eigene Kaskoversicherung. Zwei Wege laufen also parallel, und beide brauchen eigene Unterlagen.
Melden Sie den Wegeunfall Ihrem Arbeitgeber, auch wenn Sie zunächst keine Beschwerden haben. Die Meldung ist die Voraussetzung dafür, dass die Berufsgenossenschaft später überhaupt zuständig ist.
Gefragt
Unfallgutachten nach Heckanstoß, mit Abnahme der Verkleidung und Vermessung des Querträgers.
Mehr dazuKaskoschaden-Gutachten bei Vandalismus, wo nur die Vollkasko greift und eine Anzeige vorliegen muss.
Mehr dazuKostenvoranschlag bei kleineren Lack- und Parkhausschäden, wo ein volles Gutachten außer Verhältnis stünde.
Mehr dazuAnfahrt
Von Essen-Altenessen nach Oberhausen führt der Weg über die A42 oder über die B224 und die Osterfelder Straße. Rechnen Sie mit rund zwanzig Minuten nach Alt-Oberhausen, nach Sterkrade im Norden etwas mehr.
Für die Aufnahme am Fahrzeug sind zwanzig bis fünfundvierzig Minuten anzusetzen. Bei einem Heckanstoß mit Verletzungsverdacht wird länger gearbeitet, weil Verkleidungen abgenommen und Träger vermessen werden.
Häufige Fragen
Umgebung
Oberhausen grenzt im Osten an Bottrop, im Süden an Mülheim an der Ruhr und im Westen an Duisburg. Über die A42 ist Essen in zwanzig Minuten erreicht. Wer dort wohnt oder dort einen Schaden hat, ruft genauso an.
Auch wenn am Blech nichts zu sehen ist. Gerade dann.